Nachrichtensprecher
So traurig es klingt, in der Regel gibt es keinen wirklichen Beruf mehr, der sich Nachrichtensprecher nennt. Nachrichtensprecher, das sind normalerweise Radio- oder TV-Redakteure oder andere Journalisten. Sie haben entweder nach dem Abitur Journalistik oder etwas Vergleichbares studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Oft kommt es auch vor, dass nur ein entsprechendes „Volo“ mit ausgiebiger Sprecherausbildung absolviert wird.
Wie der Name schon sagt, liest der Nachrichtensprecher die Nachrichtenmeldungen und präsentiert sie. Geschrieben und recherchiert werden sie vor allem von der Nachrichtenredaktion, das ist je nach Größe eines TV- oder Radiosenders ein ganzes Team von Journalisten. Generell ist es so, dass in einer Redaktionskonferenz, vor allem bei Nachrichtensendungen, die nur zwei oder dreimal täglich laufen (also in erster Linie Fernsehnachrichten), über die wichtigsten Themen diskutiert wird und Aufgaben verteilt werden (wer berichtet worüber). Vor allem während der Sommerzeit müssen häufig selbstrecherchierte Beiträge oder Nachrichten laufen, ansonsten wird natürlich über das tagesaktuelle Geschehen berichtet. Im Hörfunk, wo ja jede Stunde und neuerdings auch jede halbe Stunde bei einigen Stationen über die neusten Geschehnisse berichtet wird, kann natürlich nicht jedes Mal konferiert werden, was in den Nachrichten enthalten sein soll. Hier arbeiten Nachrichtensprecher und übrige Redakteure sehr eng zusammen und gestalten zusammen die Nachrichten je nach Themenauswahl, Wichtigkeit und Sendegebiet. Bei kleineren Sendern, wie lokalen Radiostationen, gibt es zumeist zur vollen Stunde Nachrichten aus aller Welt, die von einem Zulieferer kommen (zum Beispiel in Bayern von der BLR) und auch bereits eingesprochen sind. Das hat den Vorteil, dass sich die Lokalsender auf die Nachrichten aus der Region konzentrieren können, die in den häufigsten Fällen zur halben Stunde gesendet werden. Aus Personalmangel ist bei vielen lokalen Stationen der Nachrichtensprecher gleichzusetzen mit dem (alleinigen) Schreiber der Nachrichten. Er bestimmt meist in Eigenverantwortung, was in „seiner“ Nachrichtensendung enthalten ist, wird aber von Reportern des Senders mit O-Tönen oder möglichen Themenvorschlägen beliefert.
Voraussetzung für einen Nachrichtensprecher, vor allem im öffentlichen Rundfunk, ist eine so genannte „gemäßigte Standardlautung“, die durch den Aussprache-Duden geregelt wird. Außerdem wird eine radiotaugliche Stimme benötigt und das Talent, Texte zu gliedern und so wiederzugeben, dass sie für jedermann leicht verständlich sind. Auch mit ausländischen Namen oder fremdsprachigen Begriffen sollte der Sprecher Erfahrung haben. Genauso wichtig ist eine gute Allgemeinbildung, die vor allem bei den öffentlich-rechtlichen TV- und Radiostationen in einem Einstellungstest auf die Probe gestellt wird.
Beim Fernsehen sind die Anforderungen an einen Nachrichtensprecher noch eine Spur höher gesetzt: hier muss er natürlich auch noch telegen sein, gleichzeitig kompetent und sympathisch wirken. Schließlich repräsentieren die Nachrichtensprecher die Sendung, die sie moderieren und den ganzen TV-Sender nach außen – egal ob es sich um Peter Klöppel oder Peter Hahne handelt. Im Gegensatz zum Radiosender, der jede Stunde mit aktuellen Nachrichten aufwartet, gibt es beim Fernsehen pro Sender nur zwischen zwei und fünfmal im Durchschnitt eine Nachrichtensendung. Die wichtigsten und bekanntesten News-Magazine laufen aber für gewöhnlich in den Abendstunden, wo sie auch die meisten Einschaltquoten haben. In diesem Fall werden die Nachrichten, die tagsüber besonders wichtig waren, gesammelt und in einer kompakten Version vorgetragen. Zwar hat der Sprecher vor sich eine ganze Reihe von Zetteln liegen, in die er auch ab und zu einen Blick hinein wirft, den Großteil der Nachrichten präsentiert er aber frei – ganz ohne abzulesen. Scheint zumindest so. Denn was der Zuseher nicht mitbekommt: der Nachrichtensprecher bekommt Hilfe von einem Teleprompter. Das ist eine Art Bildschirm, auf dem die einzelnen Meldungen groß genug, damit es der Sprecher auch lesen kann, zu sehen sind. Einfach oder gar für jeden zu bewältigen ist der Beruf des Nachrichtensprechers allerdings trotzdem nicht. Man braucht viel Geduld, richtiges Timing, gute Reaktion und die nötige Flexibilität, falls neue Meldungen noch kurz vor Sendeschluss „hereinplatzen“ und man muss vor allem eines sein: extrem belastbar.
Besonders wenn es sich um den Nachrichtensprecher im Rundfunk handelt. Er hat einen harten Schichtdienst vor sich und ist entweder die ganze Nacht oder in einer der beiden Tagesschichten ziemlich schwer beschäftigt. Damit die Fehlerrate bei den Nachrichten möglichst gering bleibt, gehen viele Radiostationen übrigens dazu über, die Nachrichtensendung (meistens ist sie rund 3 Minuten lang) gute 10 Minuten bevor sie gesendet wird aufzuzeichnen. So ist sie trotzdem aktuell und es kommt zu keinerlei Pannen oder ungewollten Ausrutschern des Nachrichtensprechers.
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