Hörspielsprecher
Hörspiele gehören zu den ältesten Unterhaltungsmedien überhaupt. Somit ist auch der Beruf „Hörspielsprecher“ schon ein Job mit langjähriger Tradition. Ein Hörspielsprecher, meistens handelt es sich um professionelle Sprecher oder auch Schauspieler, ist im Gegensatz zum Radio- oder Nachrichtensprecher nicht er selbst, sondern übernimmt eine Rolle in die er sich wie ein Filmschauspieler hinein versetzt. Er gehört also der darstellenden Zunft an.
Während in den USA die Hochzeit der Hörspiele in den 30er Jahren begann als sich viele bekannte amerikanische Schauspieler plötzlich auch in die Tonstudios begaben (zum Beispiel Peter Lorre oder Boris Karloff), begann das „Hörspielfieber“ bei uns in Deutschland in den 60er Jahren – vor allem im Bereich Kinder- und Jugendhörspiele. Meistens gab es keine selbst geschriebenen Geschichten, sondern es wurden große literarische Werke der Weltliteratur vertont. Darunter beispielsweise „Moby Dick“ oder „Tom Sawyer“.
Einer der bekanntesten deutschen Hörspielsprecher war der 2002 im Alter von 93 Jahren verstorbene Hans Paetsch. Aufgrund seiner „Großvaterstimme“ wurde er in einer Hommage auch Märchenonkel der Nation genannt. Unter anderem zu hören war Paetsch als Erzähler in diversen Kinderhörspielen des Labels EUROPA sowie in einigen Edgar-Wallace-Vertonungen und Spielfilmen. Besonders gerne wurde Paetsch wegen seiner sanften, gemütlich klingenden Stimme auch bei Weihnachtsgeschichten eingesetzt.
Bis man ein derartig bekannter Hörspielsprecher wird, ist es allerdings ein weiter Weg.
Erster Schritt ist in jedem Fall eine professionelle sprachliche Ausbildung. Dabei lernt der Hörspielsprecher in spe wie er richtig atmen muss, wie Sprachfehler ausgemerzt werden können und wie er möglichst deutlich sprechen kann. Eine gewisse Kenntnis wird aber bereits vorausgesetzt (zum Beispiel Schauspiel- oder erste Bühnenerfahrung). Besonders wichtig für einen Hörspielsprecher ist seine Motivation, die auch akustisch zu hören sein muss; durch eine gewisse Dynamik wird der Hörspielsprecher erst überzeugend und ist angenehm anzuhören – fade oder schüchterne Stimmen können die Hörspielmacher nicht gebrauchen. Apropos Stimme: eine schöne Klangfarbe allein reicht nicht aus, es kommt vor allem, wie bereits angesprochen, auf die Umsetzung und die sprachlichen Fähigkeiten des Hörspielsprechers an.
Während für gewisse Rollen zwar verschiedene Dialekte (in abgeschwächter Form natürlich, damit auch alle Hörer die Personen noch verstehen können) gebraucht werden, ist eine lokale Färbung der Sprache normalerweise nicht erwünscht.
Aber wie kommt ein Sprecher ins Hörspiel? Bis es so weit ist muss er verschiedenen Stationen durchlaufen und gewisse Kriterien erfüllen. Zum einen muss die Stimme des Hörspielsprechers zum Genre des zu produzierenden Hörspiels passen. Das heißt, tiefe furchterregende Stimmen sind eher für Krimis oder Erwachsenenhörspiele geeignet als kindliche dünne Stimmen beispielsweise. Aber auch zu den übrigen Stimmen, die bei einer Produktion verwendet werden, muss die Tonlage des Hörspielsprechers passen. Klingt eine Stimme ähnlich, ist es für den Zuhörer oft schwer, Personen nur durch die Akustik zu unterscheiden und es kommt möglicherweise zu Missverständnissen bei der Handlung oder Verständnigsproblemen.
Ist ein Hörspielsprecher geeignet für eine Rolle, wird er – zum Beispiel nach einem Casting – verpflichtet. Dann beginnt die Lese- und Vorbereitungsarbeit. Denn natürlich müssen die Hörspielsprecher, vor allem wenn sie Rollen mit längeren Passagen innehaben, möglichst flüssig und frei sprechen können. Freisprechen ist deshalb wichtig, weil die Sprecher oft keine Möglichkeit haben auf einen Zettel zu schauen während der Handlung. Denn damit es besser und authentischer klingt, wird oft wild mitgestikuliert – ähnlich wie auf einer Theaterbühne.
Übrigens: Kommt es zu einem Versprecher, können die Sprachtakes auch noch einmal von neuem aufgezeichnet werden. Bei kleineren textlichen Abweichungen, die sich oft ganz von selbst ergeben, wird aber munter weiter gesprochen. Denn an der Handlung ändert ein veränderter Satzbau beispielsweise nichts und den genauen Wortlaut kennt der Hörer später ohnehin nicht.
Hörspiele gab es früher auf Schallplatte und MC, mittlerweile sind sie vorwiegend auf CD erhältlich. Nach wie vor sind viele Hörspiele (sowohl für Erwachsene als auch für Kinder) aber auch im Radio zu hören.
Zu den beliebtesten und bekanntesten Hörspielen für Kinder gehören: TKKG, Die drei Fragezeichen, Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und Pumuckl. Viele Hörspielsprecher haben dadurch Kultstatus erreicht. Zwar kennen viele ihre Namen geschweige denn ihr Aussehen nicht, doch die Stimmen sind fast jedem eifrigen Hörer ein Begriff.
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