Dialekt

Er ist eigentlich ganz natürlich, denn jeder hat ihn, trotzdem ist er der Feind aller professionellen Sprecher: der Dialekt. Das Wort „Dialekt“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „miteinander sprechen“. Eindeutschen kann man den Begriff „Dialekt“ aber im heutigen Sinne eher mit „Mundart“. Letztere, die Mundart, wird auch in der Literatur häufig verwendet – man spricht beispielsweise im Bayerischen von der Mundart- oder Dialektdichtung. Sie ist ein typisches Kennzeichen für eine Region und spiegelt die Lebenshaltung und Lebensweise der Bewohner wider. Besonderes Kennzeichen für einen Dialekt ist, dass die Ausspracheform vom Standard, nämlich vom eigentlichen Hochdeutsch, abweicht. Der Dialekt steht also in einer Art Kontrast zur Standart- oder Hochsprache. Bei regionalen TV- oder Radiosendern stellt der Dialekt häufig kein großes Problem dar, das heißt, Sprecher müssen sich zwar weitgehend hochdeutsch ausdrücken, allerdings dürfen gewisse lokale Färbungen in Moderationen oder Unterhaltungen miteingebracht werden. Für manche Geschäftsführer von lokalen Stationen ist eine Art „harmloser“ Dialekt, der zur Region passt, sogar Einstellkriterium. So wirkt der Moderator mit Dialekt für die Zuhörer oder Zuschauer des meistens kleinen Sendegebietes sympathischer und wird als „Mensch aus den eigenen Reihen“ wahrgenommen. Bei öffentlich-rechtlichen Stationen, wie den Sendern der ARD, wird hingegen schon seit Jahren heftig diskutiert, ob Sprecher nun eine entsprechende Mundart bzw. einen Dialekt sprechen dürfen oder ob sie dann abgelehnt werden sollten. Während Dialekt-Befürworter argumentieren, die Mundart müsse sogar noch speziell gefördert werden, damit das Kulturgut nicht verloren geht, sind Dialekt-Gegner der Meinung, Mundart könnte toleriert werden, mehr aber auch nicht. In letzter Zeit ist bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten eher ein Rückgang von Dialekt und Mundart zu beobachten. Durch den Druck und die Konkurrenz der Privaten müssen auch sie – egal ob im TV oder Rundfunk – ihr Programm in gewisser Weise „angleichen“. Das gilt auch für die Sprecher. Sprachtrainer, (Coaches) vor allem die, die bei privaten Stationen eingesetzt werden, kämpfen meist sogar gegen den Dialekt.

Denn oft hat der so seine Eigenarten, die ein neutraler Sprecher (zum Beispiel ein Nachrichtensprecher oder gar eine Station Voice) einfach nicht brauchen kann. Dazu zählt zum Beispiel das „R“, mit dem die Bayern so ihre Probleme haben. Sie rollen den Buchstaben häufig zu sehr und werden deshalb „umgepolt“ auf das sogenannte Zäpfchen-„R“. Generell gibt es keine allgemein gültige Regelung hinsichtlich Dialekt im Radio oder Fernsehen, meistens wird er allerdings – das haben Zuschauer bzw. –hörer auch in Umfragen angegeben, als sympathisch, trotzdem aber oft auch als unprofessionell gedeutet. Ganz anders hingegen stellt sich die Lage von Hörspiel- oder Synchronsprechern da. Wenn sie bestimmte Charaktere oder Figuren darstellen müssen, sind oftmals Dialekte im Spiel. Beispiel ist Uter, der kleine Schweizer-Austauschschüler, der in unregelmäßigen Abständen bei den Simpsons immer wieder zu sehen ist. Wer könnte ihn besser sprechen als jemand, der den Schweizer Dialekt bestens beherrscht!? Derartige Synchronisationen mit Dialekten haben den Vorteil, einer Person besonders viel Charme und Aufmerksamkeit zu verleihen, weil sie etwas ganz Spezielles auszeichnet und sie sich dadurch in den Vordergrund bewegt. Abgesehen von diesen „Dialekt-Charakteren“ ist aber auch der Hörspiel- und Synchronsprecher an die hochdeutsche Sprache gebunden. Oder hätten Sie als Kind gerne einen Benjamin Blümchen mit Hamburger Dialekt gehört? Kann ein Dialekt vollständig abgelegt werden? Die Antwort lautet Jein. Wie bereits zuvor beschrieben, kann mittels eines Sprachtrainings erreicht werden, dass typische sprachliche Eigenheiten, die der Dialekt mit sich bringt, gemindert werden. Ganz verschwinden werden sie aber nie. Kleiner Trost für alle Schwaben oder Sachsen, die es besonders schwer haben auf die hochdeutsche Sprache umzusteigen, aber trotzdem zum Rundfunk oder TV wollen: selbst bei Antenne Bayern (siehe Bayern-Reporter) oder RTL (siehe Korrespondenten aus Bayern oder Sachsen) sind oft einige lokale Färbungen zu hören. Solange sie für den Konsumenten, also Zuseher und Zuhörer, nicht störend wirken und das Programm noch gut verständlich ist, ist der Dialekt kein wesentliches Problem.

 

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