Akzent
Ähnlich wie der Dialekt ist auch der Akzent eine Abweichung von der Standardsprache Hochdeutsch. Allerdings sind Dialekt und Akzent nicht ganz dasselbe.
Während der Dialekt unter anderem auf die Verwendung von alternativen Wörtern in bestimmten Regionen hinweist (zum Beispiel „Semmel“ statt „Brötchen“) und meist sogar aus eigenen Grammatik- und Satzstrukturen besteht, tritt der Akzent sprachübergreifend und vor allem im Gesprochenen, nicht im Geschriebenen auf. Ein Beispiel hierfür sind die Franzosen, die statt „Hamburg“ „’amburg“ sagen, weil sie das „H“ nicht aussprechen können – hier handelt es sich nicht um dialektbedingtes Sprechen, sondern um den Akzent.
Zu erkennen ist der Akzent daran, dass die Intonation, Betonung, der Sprachrhythmus und die Formung der Laute abweichen vom Idealfall. Lernt ein Deutscher beispielsweise die englische Sprache, hört man – auch wenn er sich noch so bemüht – fast immer, dass er mit Akzent spricht. Es ist also durch die Aussprache zu erahnen, dass es sich nicht um einen echten Engländer, sondern einen deutschen Staatsbürger handelt. In diesem Falle spricht man von Englisch mit deutschem Akzent.
Aber auch innerhalb eines Landes und einer Sprache kommt der Akzent vor. Man spricht davon, wenn der lokale Dialekt des Sprechers bei der Aussprache der hochdeutschen Sprache deutlich erkennbar ist. Beispiel: das Hochdeutsch eines Bremers wird immer völlig anders klingen als das Hochdeutsch eines Münchners oder Berliners. Das gilt übrigens für alle Dialekte – sie alle bringen bestimmte Gewohnheiten, manchmal sogar eine Art „Sprachfehler“ bei der Aussprache mit sich, die – wenn auch unbewusst - in die Standartsprache mit übertragen werden.
Nachrichtensprecher und Moderatoren sollten – außer sie sind bei Lokalsendern beschäftigt – so gut es geht ihren Akzent verbergen. Ganz ablegen werden sie ihn zwar nie können, durch spezielles Sprachtraining kann aber – ähnlich wie beim Dialekt – zum Beispiel eine sprachliche Eigenheit wie das gerollte „R“ der Bayern zumindest etwas verborgen werden. Hilfe gibt es von professionellen Sprachtrainern, die auch Station Voices und Co. coachen.
Oftmals ist der Akzent aber auch erwünscht, ja manchmal sogar gesucht. Vor allem beim Synchronisieren von Filmen oder aber bei Hörspielen werden oft Sprecher mit Englischem, Französischen oder Schweizer Akzent gesucht. Wer diesen Akzent spricht, klingt eintausend Prozent überzeugender als derjenige, der ihn nachahmt. Der Nachahmer müsste erst die gesamte Intonation und Lautung der Sprache genau studieren, um sich den gewünschten Akzent anzutrainieren. Der echte Engländer, Franzose oder eben Schweizer, der auch deutsch kann, hat ihn bereits und wirkt für solche Rolle viel überzeugender.
Im Internet gibt es sogar ganze Agenturen oder auch ganze Börsen in denen man eine Stimme für den gewünschten Film oder die benötigte Hörspielproduktion sogar „bestellen“ kann. Vom Österreicher mit französischem Akzent bis zum Holländer mit deutschem Akzent ist alles mit dabei.
Weil bei vielen der Akzent eine Art Nuscheln mit sich bringt, müssen Sprachtrainer sich vor allem auf die genaue Betonung ihrer „Schützlinge“ konzentrieren. Aber auch Selbstversuche daheim lassen die Aussprache deutlicher werden und minimieren gleichzeitig das Nuscheln. Zum Beispiel soll der Korkentrick schon oft Wunder gewirkt haben. Beim Korkentrick muss sich derjenige, der sich einer Sprachübung unterzieht, einen Korken in den Mund stecken und versuchen, trotzdem so deutlich und genau wie möglich verschiedene Sätze auszusprechen, sodass sie verständlich sind.
Besonders gerne wird der Akzent übrigens belächelt und nachgeahmt. Das liegt daran, weil er etwas ganz Eigenes an sich hat; meistens ist es die Mischform von Sprachen oder der Betonungen, die viele fasziniert. Deshalb findet er auch in der Werbebranche immer öfter Verwendung. Warum? Weil er, wie bereits beschrieben, nachgeahmt wird und sich somit Werbungen für Produkte im Volksmund besser herumsprechen. Schöfferhofer Weizen ist eines der besten Beispiele dafür (…“die so schön ´at geprickelt in mein Bauchnabel“…). Einziges Kriterium: natürlich muss der Text noch zu verstehen sein, sonst hat die Werbestrategie ihr Ziel verfehlt.
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